Gabriel und Käßmann erörtern Afghanistan-Einsatz

epd-Logo Berlin (epd). Der Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan war ein Thema des Treffens von SPD-Chef Sigmar Gabriel und der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, am Dienstag in Berlin. Es sei gut, dass die Kirchen öffentlich zu einer ehrlichen Diskussion über den Einsatz deutscher Soldaten aufgefordert hätten, sagte Gabriel nach Angaben der SPD: "Das war überfällig."

Bischöfin Käßmann hatte zum Jahreswechsel mehrfach den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan kritisiert und einen Plan für den Abzug der deutschen Soldaten gefordert. Dafür war sie aus den Reihen der Politik kritisiert worden. Hingegen fand Käßmann Unterstützung in den Kirchen. Am Wochenende hatte der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch eine neue Perspektive für das deutsche Engagement am Hindukusch gefordert. Angesichts der Lage in Afghanistan müsse eine "bittere Bilanz" gezogen werden, sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz.

Der SPD-Vorsitzende sprach sich für eine politische Lösung aus, die den Soldaten Respekt zolle und eine realistische Perspektive für die Dauer des Afghanistan-Einsatzes nenne. Am Montag will die SPD-Führung über den Afghanistan-Einsatz beraten. Zuvor findet am Freitag ein Hearing von Fachleuten zu Afghanistan statt, an dem auch der stellvertretende EKD-Ratsvorsitzende, der rheinische Präses Norbert Schneider, teilnehmen wird.

Das Gemeinwohl und der gesellschaftliche Zusammenhalt müssten Maßstab für politische Entscheidungen bleiben, stimmten Gabriel und Käßmann überein. Dabei seien die Erfahrungen der Kirchen unverzichtbar, hob der SPD-Vorsitzende hervor. Käßmann bekräftigte, dass die evangelische Kirche auch künftig den Schwachen in der Gesellschaft eine Stimme geben wolle. Weitere Themen der ersten Begegnung von Gabriel und Käßmann nach deren Wahl zur Ratsvorsitzenden waren Kinderarmut, Pflege und Bleiberecht. Zu Antrittsbesuchen war Käßmann am Dienstag auch von Bundespräsident Horst Köhler und Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDDU) empfangen worden.

20. Januar 2010

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