Thies Gundlach: Niemand will den „Provinzialismus der kleinen Einheiten“
Für Landeskirchen, deren Grenzen sich an den Bundesländern orientieren, hat sich der Vizepräsident des EKD-Kirchenamtes, Thies Gundlach (Hannover), ausgesprochen. Um einen „gelingenden Föderalismus“ zu bekommen, müsse die Zahl der gegenwärtig 22 Landeskirchen verringert werden, sagte Gundlach bei einer Tagung für Mitglieder kirchlicher Gerichte in der Pfälzer Landeskirche, die am 3. und 4. Februar in Landau stattfand.
Mit rund 2,9 Millionen Mitgliedern ist die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers die größte der 22 Landeskirchen. Die kleinste, die Evangelische Landeskirche Anhalts, hat etwa 43.000 Mitglieder. Laut Gundlach will niemand mehr den „Provinzialismus der kleinen Einheiten“.
Wie im EKD-Reformpapier „Kirche der Freiheit" von 2006 beschrieben, brauchten Landeskirchen neben einer ausreichenden finanziellen Ausstattung auch Überlegungen, was eine Landeskirche künftig für die Verkündigung vor Ort leisten könne. Bekenntnisfragen, mit denen das landeskirchliche Prinzip einmal begründet worden sei, spielten heute keine grundlegende Rolle mehr. Gundlach: „Landeskirchengrenzen müssen wir als ‚weltlich Ding‘ betrachten.“ Zum Abbau von parallelen Strukturen, die die EKD-Arbeit erschwerten, schlug er Fusionen oder verstärkte Zusammenarbeit von Einrichtungen vor.
Unterstützung erhielt Gundlach von dem badischen Kirchenrechtler Oberkirchenrat i. R. Jörg Winter (Karlsruhe). Für ihn ist die Neubildung von Landeskirchen ebenfalls keine theologische Frage. Vielmehr gehe es darum, ob eine Struktur die Erfüllung des Verkündigungsauftrages ermögliche oder verhindere. Es würde dem evangelischen Kirchenverständnis widersprechen, „wenn es zu hierarchisch zugeht“. Kirchengrenzen könnten nicht „von oben dekretiert oder am Reißbrett geschaffen werden“.
08. Februar 2012
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